Das Steffen-Peschel-Trio aus Reichenbach gastierte in der gut besuchten evangelischen Kirche von Schleife. Bei ihrem Programm "Chorale meets Jazz" wurden alte Choräle in ein modernes Jazzkleid gepackt und begeisterte die Zuhörer. Solche Darbietungen, wie vom Sonntag, sorgen für ein Halleluja in der Kirche und Kleingeld im Kollektenbeutel.
Lokalredaktion Radeberg am 21. November 2005:
Geistliche Musik in einem jazzigen Gewand
Konzert. Das Steffen Peschel Trio gastierte jetzt im Barockschloss von Wachau.
Autor: Wolfgang Zimmermann
Wachau. Möglicherweise hätte der Reformer Martin Luther seine helle Freude daran gehabt, hätte er gehört, wie die Pianistin Silke Krause, der Violinist Florian Mayer und der Kontrabassist Steffen Peschel mit seinem Choral "Nun freut Euch, lieben Christeng 'mein" umgingen. Hans Leo Hassler dagegen hätte sich gewiss im Grabe umgedreht. Der Sammler deutscher Lieder und Experte der evangelischen Kirchenmusik galt im Umgang mit seinem Metier als stockkonservativ. Hasslers Choral "Oh Haupt voll Blut und Wunden" wurde am vergangenen Sonnabend von den drei Musikern im Barockschloss Wachau zwar nicht von seiner eigentlichen Botschaft entkleidet, aber dennoch genüsslich zerlegt und variantenreich wieder zusammengesetzt.
"Chorale meets Jazz" nennt sich das Programm, mit dem die drei Dresdner gastierten und mit dem sie ein zweifellos ganz und gar ungewöhnliches Zusammentreffen arrangiert haben. Der Choral als die Krönung geistlicher Musik überhaupt galt und gilt immer noch als unantastbare heilige Kuh, die nicht geschlachtet werden sollte. Doch selbst ein Ausnahmetalent wie der Organist Matthias Eisenberg findet zunehmend neue Interpretationsmöglichkeiten. Warum sollte das nicht auch der Jazz schaffen, gilt dieser Musikstil doch stets als innovativ, als kreativ? So gesehen leisten die Musiker um Steffen Peschel Pionierarbeit, und indem es ihnen sichtlichen Spaß macht, sich auf ihre Weise der Choralmusik zu nähern, stoßen sie sicher so manche bisher verschlossene Tür damit auf. Von Heinrich Schütz ist der Choral "Ich weiß, woran ich glaube", der das Programm des Trios einleitet. Er beginnt ganz im Sinne des Komponisten, was aber nur für die ersten drei Minuten gilt. Dann nämlich lösen sich Piano, Violine und Kontrabass von der Melodie und variieren das Motiv auf ihre Weise. Das zu verfolgen, ist spannend und macht zugleich Spaß.
Und der Zuhörer wird begierig darauf, wann und wie denn die Musiker den Faden wieder finden. Beim eingangs erwähnten Choral, zu dem Martin Luther Text und Musik geschrieben hat, entwickelte das Trio ein fast bluesig schleppendes Tempo, dem der Violinist Florian Mayer mit der Stimme zudem ein rhythmisch-jazziges "dabdudei" beigibt. In Johann Balthasar Königs Choral "Ich bin getauft auf deinen Namen" übernimmt der Bass die Funktion der Orgel, beginnt mit den ganz tiefen Tönen, zu denen sich dann die Violine gesellt, die mit ganz zartem Ton nur auf der E-Saite gespielt wird. "Wir haben uns vorgenommen, den Staub aus den evangelischen Gesangsbüchern herauszuwedeln" sagte Florian Mayer.
Die Choräle etwas aufpeppen möchten die drei, mit frischem und zeitgemäßem Flair versehen. "Die Grundstruktur der Choräle aber bleibt dieselbe", beruhigt Mayer die Zweifler. Das Ergebnis dessen gibt es ab kommender Woche auch als CD in den Plattenläden zu kaufen. Seit drei Jahren existiert das "Steffen Peschel Trio" schon, seit einem Jahr beschäftigt es sich mit dem Choral-Projekt. Dazwischen aber sind die drei in vielen anderen unterschiedlichen Programmen unterwegs; Silke Krause als Kabarettpianistin, Florian Mayer als Geiger in Comedy- Weihnachtsprogrammen und Steffen Peschel in kleinen und großen Jazzformationen.
Foto: Peschel
Lokalredaktion Görlitz am 24.01.2006
Ungewöhnlich und gut
Musik. Am Sonntag spielte das Steffen-Peschel-Trio im Dom Kultury/ Zgorzelec sein
aktuelles Programm „chorale meets jazz“ (Ines Igney)
„Wir werden Sie mit unserer Musik ein wenig erwärmen“, begrüßte begrüßte Florian Mayer bei eisigen Außentemperaturen das Publikum im kalten Salon des Dom Kultury.
„chorale meets jazz“ heißt das ungewöhnliche Programm des Steffen-Peschel-Trios.
Florian Mayer auf der Violine, Steffen Peschel am Kontrabass und Silke Krause auf dem Flügel verbinden Musiken, zwischen denen Jahrhunderte liegen. Alte Kirchenlieder treffen auf die Paradenmusik des New Orleans um 1900.
Florian Mayers Violine steht im Mittelpunkt dieser Neubearbeitungen des Alten. In einem Jazzstandard über den Mond wird die Geige zur Gitarre, er schnalzt und summt und gibt den Rhythmus vor, der ins Blut geht. Dem Mondjazz folgt ein Choral Luthers. Kirchliche Stille deutet sich an und doch: Auch diese Melodie wird lebendiger, schneller Rhythmus.
Den Musikern aus Dresden und Görlitz gelingen die Wandlungen spielerisch. Harmonisch improvisieren sie in klassischer Jazzmanier und sichtlich begleitet Humor ihr gemeinsames Musizieren. Schade, dass sie auf der Bühne da oben so fern scheinen. Ebenerdig wären sie und ihre Musik dem Publikum so viel näher, und vielleicht wäre dann auch jemand dem Aufruf gefolgt:“ Stehen Sie auf und tanzen Sie gegen die Kälte!“ Tanzen zu Chorälen? Das ist an diesem Abend kein Widerspruch.
Der Görlitzer Steffen Peschel studierte Kirchenmusik. Vor zwei Jahren bildetet sich das Trio, das den Sprung zwischen den Stilen wagt, und vielleicht würde die daraus entstehende Musik gerade in einer Kirche eine Atmosphäre entfalten, die der Salon nicht aufkommen lässt.
(Sorry für die Bildqualität. Das Foto wurde aus der Zeitung gescannt.)
Unterhaltsamer Abend
Im „Schlaflied für die Vögel“ am Ende des Programms siegt endgültig das weltliche Schmunzeln über das geistlich Andächtige. Violine und Pfeifen Mayers kommunizieren miteinander, werfen sich Fragen und Antworten zu. Damit bleibt der Abend trotz Chorälen (Anmerkung der Musiker: gerade wegen der Choräle) wie „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ oder „Großer Gott wir loben dich“ ein leichter, ein unterhaltsamer Abend und öffnet manchem des Ohr für eine Musik, die ihm zuvor denkbar fern schien.
vom 15. Mai 2006:
Choräle einmal ganz anders interpretiert
Krobnitz. Beim vorerst letzten Konzert spielt das Steffen-Peschel-Trio Jazz und Kirchenlieder (Rene Tzschoppe)
Der Saal des Schlosses ist voller Besucher. Das Personal bringt noch Stühle. Andere Gäste haben bereits auf dem roten Teppich, der die Treppenaufgänge überspannt, Platz genommen.
„Von hier aus ist der Blick besser. Wenn du weiter links sitzt, siehst du den Steffen besser“, meint eine Mutter zu ihrem kleinen Jungen. Alle sind gespannt auf den Lokalmatador. Steffen Peschel kommt aus Meuselwitz. Der Berufsmusiker spielt mit seiner Band das erste Mal im Schloss.
Dann der Auftritt: Steffen Peschel – auffällig mit grünem Hemd und schwarzer Weste darüber – tritt an den Kontrabass. Das Sagen hat an dem späten Nachmittag jedoch der Frontmann an der Geige – Florian Mayer. Mit lockeren Ansagen führt der Dresdner durch das Programm. Zunächst erklingt der Choral „Ich weiß, woran ich glaube“. Mit Bossa-Nova-Rhythmus und verändertem harmonischen Aufbau kommt das Kirchenstück als anspruchsvolle Cafehaus-Musik daher. Das ist das Motto der Musiker: „Chorale meets jazz“.
Der Choral trifft Jazz.
„Seit gut zwei, drei Jahren gibt es unser Trio“, erklärt der Geiger dem Publikum.
Steffen Peschel plaudert in der Pause: „Ich bin Christ und habe beim Spielen von Chorälen schon immer versucht, eine eigene Note in die Begleitung zu bringen.“ So kam die Idee zur „grenzübergreifenden“ Musik, die der Meuselwitzer selbst arrangiert.
Leute, die nicht in der Kirche zu Hause seien, sollen dennoch von der Trio-Musik angesprochen werden. Und dieses Konzept funktioniert. Nicht zuletzt ist es das hohe Niveau, mit dem die Künstler auftrumpfen. Rasante Saitenwechsel an der Geige, Flageolettöne, Arpeggio, Glissando – Florian Mayer reizt das ganze Programm an Effekten am klassischen Instrument aus; ohne Einfluss von Effekt verstärkender Technik. „Wir treten oft in Kirchen auf. Dort ist die Akustik tragender. Hier im Schloss zu spielen, ist für uns eine andere Erfahrung“, sagt er. Der Kontrabassist weist in der Pause auf ihr nächstes Kirchenkonzert in Görlitz hin: Am Pfingstsonntag werden die drei in der Frauenkirche zu hören sein.
Nach der Pause wartet auf das Publikum der Choral-Hit: „Oh Haupt voll Blut und Wunden“. Als Bach-Bearbeitung aus der Matthäuspassion ist er vielen Besuchern vertraut. Deutlich ist die Melodieführung zu hören: mal in der Geige, mal übernimmt sie am Klavier der Dresdner Holger Miersch.
Dann gibt es zur Abwechslung einen Jazz-Standard – „Lullaby of Birthland“. Der Geiger pfeift seine Melodie mit. Er imitiert Vogelgezwitscher. Kinderlachen aus der ersten Reihe ist den Musikern gewiss. Am Ende gibt’s Ablaus: Für den Meuselwitzer am Kontrabass den meisten.
Görlitz vom 5.Juni 2006
Orgelmarathon hat viel Zulauf (Rene Tzschoppe)
Orgelnacht. Über acht Stunden hinweg zogen Hunderte von Besuchern von Kirche zu Kirche....
Choräle: Mal alt- mal modern
Viele Orgelfans ziehen inzwischen zur Frauenkirche. Dort gibt es wieder eine Besonderheit: Jazz. Reinhard Seeliger kassiert. Die Schlange reißt nicht ab. Die Orgel beginnt den Choral:“Nun bitten wir den Heiligen Geist“. Seeliger springt auf, übergibt die Kasse seiner Mitarbeiterin, hält die Ansage und kassiert anschließend weiter. Als das Steffen-Peschel-Trio die Orgel ablöst, sind alle Besucher drin. Der straffe Zeitplan lässt keine Verzögerung zu.
Das Dresdner Trio ist bekannt: Vor einigen Tagen spielten sie im Krobnitzer Schloss – ohne elektrische Verstärker und ohne E-Piano. Der hallende Klang des Kirchenschiffs und der
E-Piano-Sound lassen die verjazzten Choräle jetzt anders ertönen. Wieder der Wechsel:
Britta Martini, Landeskirchenmusikdirektorin, spielt an der Orgel die Fantasia Super „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“ von Johann Sebastian Bach.
Dieses Konzert ist das kontrastreichste: Choräle in Bearbeitungen alter Meister stehen den swingigen, tänzelnden Trio-Chorälen gegenüber. Florian Mayer schnalzt den Rhyrhmus ins Mikrofon, trällert die Melodie seines Violinpart mit. Dann schnell die Zugabe, den. weiter geht es zum Mitternachtskonzert in die Peterskirche.
Stadt Großenhain, Montag 10.Juli 2006
Orgelnacht. 120 Zuhörer erlebten am Sonnabend einen Konzertmarathon der kleineren Gattung. (Astrid Withulz)
(Sorry für die Bildqualität. Das Foto wurde aus der Zeitung gescannt.)
Mit Musik Johann Sebastian Bachs eröffnete und schloss am Sonnabend die 6. Großenhainer Orgelnacht.
Ein Konzertmarathon kleinerer Gattung, zu dem sich in diesem Jahr zirka 120 Zuhörer einfanden.
(Kommentar St.P.: nicht schlecht, wenn parallel ein Fussball-WM-Spiel der Deutschen National-Elf läuft)
An der Orgel der Marienkirche begann zunächst Frauenkirchenkantor Mathias Grünert seine Arbeit. Neben Ihm boten auch Matthias Eisenberg (Zwickau) und David Timm (Leipzig) Proben ihres hervorragenden Könnens
auf dem königlichen Instrument.
Das Spiel der Organisten konnte man auf einer Videoleinwand, rechts des Altars, verfolgen. Fluch und Segen der Technik liegen jedoch auch in einem Gotteshaus dicht beieinander, und so drängte sich die Frage auf, ob nun die ambitionierte Ausleuchtung des Altars oder das bewegte Bild auf der Leinwand den Besucher in seinen Bann ziehen sollten. Da die Orgel ohnehin nicht das sichtbare Konzertinstrument ist, vermag man als Zuhörer diese Klänge auch ohne visuelle Hilfsmittel genießen. Zumal geschlossene Augen und die eigene Fantasie ein noch viel eindrücklicheres Konzerterlebnis heraufbeschwören können.
Die optischen Reize an diesem Abend blieben also Geschmackssache, was insbesondere auch die Bildpräsentation betraf. Das Thema Orgelsommer wurde zwar deutlich, jedoch geriet die Abfolge der Fotos
zufällig und viel zu schnell und war mehr auf Illustration als auf Impression oder gar Inszenierung abgestellt.
Das Steffen-Peschel-Trio benötigte eine solche Bilderschau außerdem gar nicht, da die Dresdner zwar ohne Orgel, jedoch mit viel musikalischer Raffinesse aufwarteten. Nachdem sich Florian Mayer (Violine)
in den richtigen Rhythmus gewiegt hatte, unterhielt das Trio mit eigenen brillanten Jazzarrangements bekannter Choräle. Hätte es einen Lautstärkeknopf gegeben, so wäre es wunderbar gewesen, diese Klänge von Bass (Steffen-Peschel), Klavier (Holger Miersch) und Violine noch kräftiger und voller durch den Kirchenraum schallen zu lassen. Aber auch die feinen, leisen Passagen gelangen wirkungsvoll.
Der Variantenreichtum der Geige wurde durch Mayers Spiel nahezu völlig abgebildet. Er arbeitete gleichermaßen mit Bogen und zupfenden Fingern und nutzte sein Instrument und seine Stimme zu Percussion und Performance. Ein Bonbon im sonst eher gewohnt konzipierten Orgelnachtprogramm.
(Sorry für die Bildqualität. Das Foto wurde aus der Zeitung gescannt.)
Johanna Zeidler - Geschenke der Hoffnung e.V.
Die Musik des Steffen-Peschel -Trios lässt Rhythmus und Klang geniessen und darüber beiläufig ein Kirchenlied wiedererkennen. Über Gefallen, Rhythmus, Sympathie erkennt der Hörer überrascht und neu die Relevanz christlicher Geschenke in seinem Leben. Nicht über die oft schwere Gedankenfülle eines Kirchenlieds, sondern über beschwingtes Wiedererkennen seines Gehalts erlebt man Erleichterung oder einen Impuls in seiner Situation grade jetzt. Ob perlende Klänge bei einem Glas Sekt oder schmissiger Harmonien-Drive beim Autofahren – diese Musik belebt und inspiriert einfach, und hat dabei Tiefenwirkung. Das Wesentliche drückt sie wohltuend beiläufig und unaufdringlich aus. Oft wird Gott vermeintlich so hoch in den Himmel gelobt, dass die Verbindung zum Leben auf der Erde abreisst. Diese Musik erreicht das Gegenteil. Die Kunst der Lässigkeit und der inhaltlichen Treffsicherheit liegt bei den Aufführenden in höchstem Kalkül: Der Witz der Musiker und ihre Lebensfreude überträgt sich auf den Hörenden.
Wegen entkrampfender Wirkung bei Bedarf und nach Belieben einfach immer wieder zwischendurch geniessen!
________________________________ Johanna Zeidler
Fundraising/Spenderservice Geschenke der Hoffnung e.V.
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